Das Alphabetisierungsprojekt für Frauen 

Warum ein Projekt für Frauen?
Viele Mütter unserer Patenkinder stammen aus bedürftigen Familien. Viele hatten in ihrer Kindheit nicht die Chance, eine Schule zu besuchen, was besonders an den kinderreichen Familien Togos liegt, welche nicht genügend Geld besitzen, um allen Kindern einen Schulplatz zu bezahlen. Da Togos gesellschaftlichen Strukturen stark patriarchalisch geprägt sind, leiden vor allem die Mädchen der Familien darunter. Aus diesen Gründen gibt es viele Frauen der Projektregion, die nur ein sehr geringes Bildungsniveau besitzen, und vor allem ökonomisch von ihren Ehemännern abhängig sind. Auch ihr Alltagswissen ist von zahlreichen schädlichen Praktiken geprägt, und häufig beherrschen die Frauen nicht die französische Sprache und sind Analphabetinnen. Im plötzlichen Todesfalle der Ehemänner befinden sich viele Familien deswegen dann in ganz besonders angespannten sozio-ökonomischen Engpässen. Vom togoischen Staat können sie in solchen Fällen auf keine Hilfe hoffen, eine Art Sozialhilfe oder Witwen-Rente gibt es nicht. 

Die Stärkung der Frau in der togoischen Gesellschaft ist eine der Schlüsselaufgaben, um sozioökonomische Unsicherheiten zu bekämpfen. Frauen übernehmen in afrikanischen Gesellschaft zum Großteil die Erziehung der Kinder. Mit der ausreichenden Bildung können sie es schaffen, ihre Familien aus der Armut zu befreien und die patriarchalischen Strukturen zu durchbrechen.  


Projektaktivitäten

Daher wurde 2018 das Bildungsprojekt ins Leben gerufen, um die benachteiligten Frauen ganzheitlich zu stärken. 


1) Alphabetisierungsunterricht

Drei mal wöchentlich kommen die Frauen in die Räumlichkeiten der Schule A.E.T.s.  Entsprechend des Bildungsniveau treffen sich Frauen in Klassen von etwa 15 bis 25 Frauen, um Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen zu erhalten und sich Grundkenntnisse in der französischen Sprach anzueignen. Dafür sind Lehrerinnen der Schule angestellt, welche sich den Materialien (Tafel, Kreide etc.) und zusätzlichen Lehrbüchern für Erwachsenenbildung bedienen. Diese werde vom Projekt angestellt und kostenlos für die Teilnehmenden zur Verfügung gestellt.  


2) Aufklärungsarbeit

 

 

 

 

In regelmäßigen Abständen stehen auch außerschulische Themen auf der Agenda. Besonders wichtig ist dabei die Vermittlung von Menschenrechten. Die Mütter lernen, welche Grundrechte sie als Menschen tragen, zu denen auch das Recht auf Bildung zählt. Sie erfahren dort auch über die Rechte ihrer Kinder, und erhalten Hilfe, wie sie ihren Kindern eine Erziehung bieten können, in der ihre Rechte gewahrt werden. Daneben werden auch Themen der Gesundheitsförderung angesprochen. Mit gestalteten Plakaten und weiteren Bildmaterialien lernen die Frauen, wie sie durch gute persönliche Körperhygiene und Sauberkeit im Haushalt zahlreichen Infektionskrankheiten vorbeugen können, und wie sie ihre eigene, aber auch die Gesundheit ihrer Kinder durch die Verwendung gesunder Lebensmittel verbessern können.  


3) Kleinkredite und ökonomisches Know-How

Für fortgeschrittene Frauen gibt es die Möglichkeit, an einem gesonderten ökonomischen Förderprogramm teilzunehmen. Dafür erhalten die Mütter grundlegendes Wissen, welches für die Führung kleiner Geschäfte fundamental ist. Sie lernen beispielsweise, Verwaltungsbücher zu verwenden, Bilanzen zu ziehen und Preise richtig zu setzen. Um ihnen den Start zu vereinfachen, erhalten die Frauen einen kleinen Kredit, mit welchem sie die Basisausstattung für kleine Geschäfte bezahlen können. Es gibt genug Geld im Rahmen des Projekts, um etwa 30 Frauen diese Mikrokredite zu verleihen. Einige Frauen verkaufen heute beispielsweise Gewürze auf dem Markt oder haben Stände an ihren Häusern, an dem sie Schuhe verkaufen. Ein flexibler Rahmen ermöglicht es den Teilnehmenden, die Kredite in realistischen Zeitabständen zurück zu zahlen, oder sie zu verwenden, um ihre Geschäfte noch zu vergrößern.   

Bei einigen Aktivitäten lernten die Frauen auch, diverse Haushaltsmittel und Lebensmittel herzustellen, welche sie dann auf dem Markt ebenfalls verkaufen können. Für den Start stellt das Projekt dafür die benötigten Materialien zur Verfügung. 


Ziel des Projekts

Ziel ist es, die benachteiligten Frauen, die häufig Witwen sind, auf mehrfacher Ebene zu stärken. Durch Aneignung der französischen Sprache und der Erlernung von Grundkenntnissen im Lesen und Schreiben erhalten die Frauen im alltäglichen Leben mehr Unabhängigkeit. Ihr Wissen hilft ihnen, die wirtschaftliche Situation der Familie aufzuwerten. Damit können sie für bessere Lebensverhältnisse sorgen, was sie auch positiv auf das Wohlwollen ihrer Kinder ausübt. Zusätzlich soll dieses Programm das Selbstbewusstsein der Mütter erhöhen, und ihnen zu einer stärken Position innerhalb der togoischen Gesellschaft als Frau verhelfen.